Sicherheit für den Mittelstand

Oktober 2015 | Wirtschaftswoche | Sicherheit

Sicherheit für den Mittelstand

In einer zunehmend globalisierten Wirtschaft wird es für den Mittelstand immer wichtiger, sich gegen Risiken abzusichern. Eine wichtige Rolle spielen die Themen Compliance und Finanzierung.

Illustration: Wyn Tiedmers
Andreas Eicher / Redaktion

Unternehmen und ihren Managern drohen bei Compliance-Fehlverhalten empfindliche Sanktionen. Dementsprechend werden „Korruptions- und Kartellverstöße“ und die damit zusammenhängenden hohen Bußgelder in Konzernen als eines der größten Risiken erkannt. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Studie „CMS Compliance-Barometer“ der Wirtschaftskanzlei CMS Deutschland. Demnach ist nach Studienergebnissen der Datenschutz das größte Compliance-Risiko im Mittelstand. Vor allem zunehmende Hackerangriffe, Datendiebstähle und Sabotage machen vielen Unternehmen zu schaffen. Der Allianz Risk Barometer für das Jahr 2015 listet das Thema Cyberangriffe unter den Top5-Risiken. Hinzu kommt nach den Risk-Ergebnissen die Angst vor Betriebsunterbrechungen sowie Reputationsrisiken.


Für Experten wie Frank Romeike, Geschäftsführer des Kompetenzzentrums RiskNET, ist die zunehmende Digitalisierung die größte Herausforderung für KMU. „Im Zuge der zunehmenden Digitalisierung der Märkte sollten KMU Cyberrisken unbedingt beachten und mit geeigneten Maßnahmen nach außen und innen agieren. Denn Informationen sind das neue Gold unserer Zeit“, sagt Romeike. Notwendig werde es vor allem, eine entsprechende Unternehmens- und Sicherheitskultur in der eigenen Organisation aufzubauen. Romeike: „Wer das als Unternehmen versäumt, wird sich über kurz oder lang mit Reputations- und Finanzrisiken auseinandersetzen müssen. Im schlimmsten Falle bedeutet das für ein Unternehmen das Aus.“


Egal welche Risiko- und Sicherheitsthemen auf der Agenda stehen, Vorsorge und eine klare Strategie im Umgang mit Gefahren ist für Unternehmen unumgänglich. Für Uwe Rühl, Geschäftsführer des Beratungs-, Trainings- und Auditspezialisten Rühlconsulting, ist an dieser Stelle eine Gesamtlösung in Form eines Internen Kontrollsystems (IKS) zielführend. „Das Ganze muss in einem integrierten Managementsystem und Gesamtrisikomanagement münden“, so Rühl. Wichtig ist es, zu klaren Aussagen und aufeinander abgestimmten organisationsinternen Grundsätzen, Verfahren und Maßnahmen zu kommen. Im Grunde geht es um das Einhalten von Gesetzen und geschäftspolitischen Rahmenbedingungen. Ein wichtiges Thema, vor allem aufgrund steigender Gesetzes- und Regulierungsanforderungen im Compliance-Umfeld.


„Die Regulierungspflichten nehmen für Unternehmen ständig zu. Somit steigen auch die Risiken, die aus einem unzureichenden Compliance-Management entstehen können“, erklärt Harald W. Potinecke, Partner und Koordinator der deutschen Compliance-Gruppe bei CMS. Und Josef Scherer, Professor für Unternehmensrecht, Risiko- und Krisenmanagement, Gründer und Leiter des Internationalen Instituts für Governance, Management, Risk und Compliance der Technischen Hochschule Deggendorf, ergänzt: „Compliance-Prozesse dienen dazu, Organisationen schrittweise effizienter aufzustellen. Und an dieser Stelle unterstützt ein klares Prozessmanagement, um vom Kontrollieren – Stichwort: Schuldsuche – zum Prozess-Steuern zu gelangen.“


In diese Richtung denkt beispielsweise das Bekleidungsunternehmen Tom Tailor. Der Vorstand entwickelt, steuert und überwacht die Unternehmensstrategie.


Er sorgt für die Einhaltung gesetzlicher Bestimmungen und der unternehmensinternen Richtlinien (Compliance). „Auch hat er ein internes Kontroll- und Risikomanagementsystem implementiert, das integraler Bestandteil der Geschäftsprozesse und ein wesentliches Element unternehmerischer Entscheidungen ist“, so Tom Tailor im Geschäftsbericht 2014.


Apropos unternehmerische Entscheidungen: Viele Mittelständler suchen händeringend nach Risikokapital. Ein Problem, das selbst das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) erkennt, denn „bei innovativen Projekten ist es schwieriger, die Erfolgschancen eines neuen Produktes oder eines neuen Verfahrens zu beurteilen“. Sprich, die Hausbank lehnt die Kreditanfrage in vielen Fällen ab.


Ingrid Hengster, Vorstandsmitglied der KfW-Bankengruppe, sagt dazu: „Gründungen sind die Triebfeder für Wachstum, Innovation und die Schaffung von Arbeitsplätzen.“ Das BMWi gab Mitte September den Startschuss für ein Projekt aus dem Europäischen Fonds für strategische Investitionen (EFSI). Das Ziel ist, die Unternehmensgründung in Deutschland stärker zu fördern. Die Bundesregierung plant das EFSI-Projekt mit rund acht Milliarden Euro über die KfW zu unterstützten. Ein Schritt in die richtige Richtung, vor allem für KMU und Start-ups, die eine Anschubfinanzierung benötigen.


Risikomanagementexperte Frank Romeike sieht KMU beim Thema Kreditbeschaffung in der Pflicht:  „Vor allem kleine und mittlere Unternehmen müssen das Thema Kreditbeschaffungen auf dem Schirm haben. Das heißt, im Fokus muss eine klare Unternehmensstrategie inklusive potenzieller Risiken und Chancen für das Unternehmen stehen.“ Und er ergänzt: „Denn Unternehmen geraten durch strategische Risiken in eine Schieflage. Wichtig ist in diesem Kontext ein nachhaltiges Geschäftsmodell, verknüpft mit einer klaren Kommunikation nach außen, um potenzielle Geldgeber zu überzeugen.“ Weitere entscheidende Faktoren für die Vergabe von Krediten sind das Alter sowie die Größe und die Eigentümerstruktur des jeweiligen Mittelständlers.


Eine weitere Form der Finanzierung ist das Leasing. Nach Aussagen von Creditreform diene Leasing als „Investitionsmotor“ für kleine und mittlere Unternehmen. „Mittelständische Unternehmen schließen rund 85 Prozent vom jährlichen Leasing-Neugeschäft ab“, so Creditreform. Das wirke sich aufgrund der hohen Akzeptanz positiv auf die Investitionstätigkeit aus. Hinzu komme, dass im Leasing ergänzende Dienstleistungen und Services immer wichtiger werden. „Sie entlasten den Unternehmer von Aufgaben, die nicht seinem originären Geschäftsmodell entsprechen“ resümiert Creditreform. Und Christoph Rasche vom KMU-Beraterverband empfiehlt: „Gilt es die Eigenkapitalquote zu erhöhen, sollten Leasing und Factoring geprüft werden. Beide Finanzierungsformen führen zu Bilanzverkürzungen und schonen das Eigenkapital.“