Juni 2017 | Wirtschaftswoche | Digitalisierung

Künstliche Intelligenz ist Realität, aber das Beste kommt erst noch

Ein Gastbeitrag von Urs M. Krämer, CEO bei Sopra Steria Consulting

Urs M. Krämer, CEO bei Sopra Steria Consulting
Sopra Steria GmbH / Unternehmensbeitrag

„Künstliche Intelligenz ist längst unter uns“, schreibt Andreas Menn, Redakteur für Innovation & Digitales bei der Wirtschaftswoche. Das wäre nicht weiter bemerkenswert, wenn der Artikel nicht aus dem Januar 2015 stammen würde. Was wir heute nonchalant und mit großer Selbstverständlichkeit sagen, gehörte damals sicher noch in die Kategorie „kühne These“.

 

Aber es stimmt: KI ist unter uns. Wir haben das nicht zuletzt mit einer Umfrage1  unter 200 Geschäftsführern, Vorständen und Führungskräften aus Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern dokumentiert: In fast jedem zweiten deutschen Unternehmen (46 Prozent) ist künstliche Intelligenz Chefsache, und die Geschäftsführung selbst treibt den Einsatz voran. Dabei stellen die Befragten bereits heute deutliche Veränderungen in Form von Kosteneffekten bei Prozessen und Abläufen in fast allen Unternehmensbereichen fest.

 

KI kann den Unternehmen helfen, die stetig wachsende Datenflut zu beherrschen, sagen 41 Prozent der befragten Entscheider, ebenso viele setzten auf die Reduzierung von Arbeitskosten. Die Beschleunigung von Prozessen (36 Prozent) und die Verringerung von Routineaufgaben (34 Prozent) sowie die Bewertung von Informationen (31 Prozent) sind weitere häufig genannte Ziele.

 

But the best is yet to come

 

Das Potenzial künstlicher Intelligenz erschöpft sich allerdings nicht darin, bestehende Prozesse zu verbessern. KI kann in den nächsten zehn Jahren zu einem echten Game Changer werden. Sie kann Innovationen beschleunigen und ganz neue Geschäftsmodelle ermöglichen. KI-Lösungen haben schon heute die notwendige Reife, um die Effizienz einzelner Prozesse signifikant zu erhöhen. Jetzt geht es darum, das Thema nicht nur auf der operativen, sondern auch auf der strategischen Ebene anzugehen, um das technologische Potenzial für ganz neue Szenarien und Anwendungen auszuschöpfen und echte Mehrwerte für Kunden und Mitarbeiter zu schaffen.

 

Die nächsten kreativen Zerstörer stehen schon bereit

 

Digitale Technologien wie künstliche Intelligenz, die Cloud und das Internet der Dinge sind die Basis für neue Geschäftsmodelle, die sich mit disruptiver Dynamik über den Globus verbreiten und gewachsene Spielregeln ganzer Branchen auf den Kopf stellen. Das funktioniert immer dann, wenn es Unternehmen mit diesen Technologien gelingt, radikal neue Antworten auf existierende Kundenbedürfnisse zu liefern – und damit wiederum die Erwartungshaltung der Kunden grundlegend zu verändern. So und nicht anders erklärt sich der nachhaltige Erfolg von Google, Airbnb und Co.

 

Aber die nächsten kreativen Zerstörer stehen schon bereit. Ein Beispiel: Dass sich die Automobilindustrie intensiv mit den Chancen und Herausforderungen durch selbstfahrende Autos auseinandersetzt, ist selbstverständlich. Aber warum sollten das auch Supermarkt- und Hotelketten? Ganz einfach, weil eher früher als später sicher jemand auf die Idee kommt, autonome Fahrzeuge über ein Peer-to-Peer-Netzwerk zu einer Lieferflotte aus Privatwagen zusammenzuschließen, die Lebensmittel an den gewünschten Ort bringen. Und es wird jemanden geben, der das selbstfahrende Auto zur mobilen Übernachtungsgelegenheit aufrüstet!


Selbst wenn Sie weder für die Automobilindustrie arbeiten noch Händler oder Hotelier sind: Sie sollten sich mit den wichtigsten Technologietrends – auch wenn sie derzeit wenig Berührungspunkte für das eigene Geschäftsmodell sehen – unbedingt auseinandersetzen und prüfen, wie Sie sie in Ihrem Unternehmen kreativ einsetzen können. Die anderen tun es auch, und es kann in unserer durch moderne Technologien sehr schnelllebigen Zeit rasch zu einem schmerzhaften Wettbewerbsnachteil führen, es nicht zu tun.

 

www.soprasteria.de