Juni 2017 | Wirtschaftswoche | Der starke Mittelstand

Sichere Cloud

Die Datenwolke gibt es als Public Cloud oder Private Cloud. Wer glaubt, privat sei immer besser, irrt.

Mirko Heinemann / Redaktion

Stellen wir uns vor, ein deutsches Unternehmen habe einen, sagen wir, US-amerikanischen Cloud-Anbieter mit seiner Dienstleistung beauftragt. Der Anbieter speichert die Daten des Unternehmens und seiner Kunden auf einem Server, der in den USA steht. Nun stellen wir uns vor, eine US-amerikanische Regierung weist ihren Geheimdienst in geheimer Mission an, in der Datenwolke mit Hilfe von Smart-Data-Algorithmen nach, sagen wir, Kollisionen mit US-amerikanischen Wirtschaftsinteressen zu fahnden.

 

Unvorstellbar? Spätestens seit der Whistleblower Edward Snowden aufgedeckt hat, wie umfangreich die Überwachungsmaßnahmen des US-Geheimdienstes NSA im Internet sind, sind viele Unternehmen skeptisch gegenüber Cloud-Diensten geworden. Dazu kommt: Wer seine Daten von US-amerikanischen Firmen managen lässt, ist dem dortigen Recht unterworfen. In den USA ist Datenschutz nicht wie in der EU ein Grundrecht, sondern im Verbraucherschutz verankert. Der Patriot Act erlaubt es FBI, NSA und CIA, bei Verdacht ohne richterliche Anordnung Server von US-Unternehmen zu durchsuchen.

 

So hatte die Snowden-Affäre zumindest ein Gutes: Cloud-Anbieter reagierten auf den Vertrauensverlust ihrer Kunden mit zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen. Das gilt sowohl für Anbieter von Private Clouds, also dem Intranet in Unternehmen, wie auch von Public Clouds, die das Internet nutzen. Offenbar mit Erfolg, denn das Vertrauen in die Cloud ist auch hierzulande wieder gewachsen. „Der Trend in den Unternehmen geht seit einigen Jahren dahin, den Betrieb von Private Clouds an externe IT-Dienstleister zu vergeben“, erklärt Axel Pols, Geschäftsführer des Forschungsinstituts Bitkom Research. Nur noch 13 Prozent der befragten Unternehmen betreiben Private Clouds komplett in Eigenregie. Vor vier Jahren war der Anteil mit 26 Prozent noch doppelt so hoch.

 

Der aktuelle „Cloud-Monitor“, den der Bitkom und die Unternehmensberatung KPMG im März vorgelegt haben, beziffert den Anteil der Unternehmen, die Cloud-Services nutzen, auf 65 Prozent. Der Anteil ist in den vergangenen zwei Jahren um beinahe ein Viertel gestiegen. Sogar die Mittelständer machen mit: Das Gefälle zwischen großen und kleinen Unternehmen hat sich laut Studie angeglichen. In Unternehmen bis 99 Mitarbeitern betrug der Anteil der Cloud-Nutzer 64 Prozent. „Cloud Computing hat sich durchgesetzt und sich innerhalb weniger Jahre zur Basis-Technologie der Digitalisierung entwickelt“, so Axel Pols.

 

Auch Public-Cloud-Dienste haben laut Pols in den vergangenen Jahren einen „Durchbruch“ erzielt. Deren Nutzung nehme weiter zu, so Pols. Laut Umfrage halten beinahe zwei Drittel der befragten Geschäftsführer und IT-Verantwortlichen ihre Unternehmensdaten in der Public Cloud für „sehr sicher“ oder „eher sicher“. Im Praxisvergleich schneiden Public-Cloud-Dienste mindestens ebenso gut ab wie interne Lösungen. In der Umfrage geben 22 Prozent aller Befragten an, dass es in den vergangenen 12 Monaten „Datensicherheitsvorfälle“ jedweder Art in ihren eigenen, unternehmensinternen IT-Systemen gegeben hat. Etwa ebenso viele haben solche Vorfälle in der Public Cloud verzeichnet. Fragt man aber nach Verdachtsfällen, schneidet die Public Cloud sogar viel besser ab.