»Digitalisierung muss Chefsache sein.«

Juni 2017 | Wirtschaftswoche | Der starke Mittelstand
Chancen für den Mittelstand
Die Redaktion befragt Experten zu aktuellen Themen und Herausforderungen.
Juni 2017 | Wirtschaftswoche | Der starke Mittelstand

»Digitalisierung muss Chefsache sein.«

Dirk Röhrborn / Bitkom-Präsidiumsmitglied

Um seinen Mittelstand wird Deutschland international beneidet. Er ist die einzigartig starke, über mehr als hundert Jahre gewachsene Basis unserer Wirtschaft und Garant für Wachstum und Wohlstand. Doch diese ökonomische Stärke kann sich in der digitalen Transformation zum Nachteil entwickeln. Unternehmen mit vollen Auftragsbüchern tun sich schwer, radikal neue Produkte oder Dienstleistungen zu entwickeln. So ging es auch den Kutschenbauern. Nicht sie brachten das Automobil auf den Markt, sondern ein Start-up aus Baden. Wer als Mittelständler heute die Digitalisierung gestalten will, der sollte vor allem eins tun: Neue Dinge ausprobieren und seine Nähe zum Kunden nutzen. Digitalisierung muss im Unternehmen Chefsache sein, aber von einem Team aus den besten Mitarbeitern vorangetrieben werden. Vom Einsatz neuester Technologien bis zur Kooperation mit Start-ups gibt es vielfältige Möglichkeiten. Digitalisierung ist weder ein Zustand noch ein Ziel, sondern ein Prozess. Dabei hilft es, sich auf eine mittelständische Tugend zu besinnen: Probleme sind dazu da, gelöst zu werden.

www.bitkom.org

Juni 2017 | Wirtschaftswoche | Der starke Mittelstand

»Die Politik muss Rahmenbedingungen verbessern.«

Mario Ohoven / Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW)

Dem innovativen Mittelstand verdankt Deutschland seine weltweit führende Position bei Produkt- und Prozessinnovationen und damit seine Exportstärke. Diese Spitzenstellung gilt es zu verteidigen. Dafür braucht der Mittelstand investitionsfreundliche Rahmenbedingungen. Vorrangige Aufgaben einer neuen Bundesregierung sind die Senkung der Steuer- und Abgabenlast, die Verbesserung der Infrastruktur, vor allem aber der Abbau von Bürokratie. Sie allein kostet die Wirtschaft 40 Milliarden Euro jährlich. Mit einer Steuer- und Abgabenquote von 49,4 Prozent ist Deutschland Vizeweltmeister. Angesichts eines Investitionsstaus von über 140 Milliarden Euro ist die Politik gefordert. Deutschland braucht endlich ein Wagniskapitalgesetz für innovative Klein- und Mittelbetriebe und eine steuerliche Forschungsförderung wie in 28 von 35 OECD-Ländern. Erbschaftsteuer und Solidaritätszuschlag gehören abgeschafft. Damit der Mittelstand weiterhin seine Rolle als Innovations-, Wachstums- und Jobmotor erfüllen kann.

www.bvmw.de

Juni 2017 | Wirtschaftswoche | Der starke Mittelstand

»Die FinTech-Branche setzt auf Factoring.«

Dr. Alexander M. Moseschus / Geschäftsführer; Deutscher Factoring-Verband e.V.

2016 hat wiederum gezeigt, dass der Factoring-Markt nach wie vor stark in Bewegung ist: Die Zulassungszahlen der BaFin sind im Jahr 2016 erstmals seit 2008 angestiegen, wenn auch nur leicht. Weitere Marktteilnehmer scheinen Factoring in Deutschland im Fokus zu haben und auch die FinTech-Branche ist nun vermehrt im Factoring unterwegs und bewegt aktuell die Branche. Die Umsätze der Mitglieder des Deutschen Factoring-Verbandes e.V. stiegen erneut in 2016 um aktuell 3,77 Prozent auf nun 216,8 Mrd. Euro an. Mittlerweile nutzen über 27.250 Kunden bereits die Vorteile der Finanzierungsalternative Factoring, ein Beleg dafür, dass Factoring gerade auch für den Mittelstand immer attraktiver wird. Aufgrund der positiven Bewegung innerhalb der Branche fallen die Aussichten der Verbandsmitglieder dann auch für die mittelfristige Zukunft deutlich optimistisch aus. Factoring bleibt damit trotz aller Risikofaktoren global, aber auch national ein stabiler und verlässlicher Partner in der Finanzplanung großer wie kleiner Unternehmen.

www.factoring.de