Die unendliche Revolution

Juni 2016 | Wirtschaftswoche | Der starke Mittelstand

Die unendliche Revolution

Wenn Industrie 4.0 erfolgreich sein soll, müssen alle an einem Strang ziehen, mahnt unsere Autorin

Marie Fink, Kolumne
Marie Fink / Redaktion

Nach den ersten drei industriellen Revolutionen, Dampfkraft, Elektrische Energie und Internettechnologie, soll nun die Vierte Revolution stattfinden, die Industrie 4.0. Die beiden ersten waren in der Tat revolutionäre Umbrüche. Von Kampf konnte bei der dritten, der Digitalisierung, aber nicht mehr die Rede sein. Selbst mein Opa – Stahlgießer in einem Mittelständischen Betrieb – hatte sich flugs von seinen Enkeln „das mit dem Internet“ erklären lassen.
Es fand jedoch ein grundlegender Wandel in der gesamten Industrie statt. Internettechnologien drangen in Fabrikationen und Produkte ein. Menschen, Maschinen und Produktionsmittel kommunizierten auf neuen Wegen miteinander und schufen damit ergiebigere Wertschöpfungsketten. Der Erfolg war offensichtlich, leider auch der Misserfolg, wenn dieser Weg nicht eingeschlagen wurde – wie bei Neckermann.
In Zukunft besteht der Erfolg eines Unternehmens aus mehr als der intelligenten Digitalisierung. Es wird komplizierter. Eine Summe aus vielen Mosaiksteinchen wird das große Ganze bilden. Diese Steinchen generieren sich aus dem Engagement mehrerer Gesellschaftsebenen. Menschen aus Politik, aus Netzwerken, aus Forschung und Bildung sollen gern den Aufstand für den Standort Deutschland machen. Es gilt, das Fachwissen unterschiedlicher Akteure in einen Dialog einzubinden. Die IT-Sicherheitsleute gehören bestenfalls in einen Dauerdialog. Die „Fabrik der Zukunft“ wird ein Bau aus interdisziplinären Kompetenzen sein.
Mit der Industrie 4.0 werde eine Revolution ausgerufen, bevor sie stattfindet, monieren Kritiker. Da ist was dran. Die Verzahnung der industriellen Produktion mit modernster Kommunikationstechnik findet, anders als bei den Vorgängern, nicht von heute auf morgen statt. Die Entwicklung gleicht eher einer längeren Evolutionsphase. Es sind die Klassiker, die den Mittelstand schon immer stark gemacht haben: Qualität, Kosten- und Zeiteffizienz, aber auch Flexibilität und Ressourceneffizienz. Dazu kommt das Zauberwort „Wandlungsfähigkeit“, eine Eigenschaft, die der Mutterboden aller Revolutionen war.